Siebträger-Espressomaschinen

Siebträger-Espressomaschine bei Caffe Roen

Bildquelle: B.Scheffold (Danuba) /Caffe Roen s.r.l.

Siebträger-Espressomaschinen: Unterschiede in der Ausführung, technische Ausstattung und Besonderheiten

Letzte Aktualisierung: 04/2022

Allgemeine Informationen zu Siebträger-Espressomaschinen

Espressomaschinen kennen wir von der Kaffeebar im Italienurlaub und vom Lieblings-Italiener. Hier wird mit Leidenschaft das italienische Nationalgetränk zelebriert, den wir Deutschen als Espresso zu schätzen gelernt haben. Auch zu Hause halten daher vermehrt Espressomaschinen Einzug. Viele Vollautomatenbesitzer entdecken die Leidenschaft für das italienische Kaffeegetränk und wechseln über zur Barista-Front. Solche (Siebträger-)Espressomaschinen sind in der Handhabung eigentlich sehr einfach, aber mitunter dauert es, bis das Zusammenspiel aller Parameter zu einem wunderbaren Espresso in der Tasse führt.

Damit auch Ihnen der perfekte Espresso gelingt möchten wir Ihnen zunächst einmal die verschiedenen Ausführungen der Siebträger-Espressomaschinen erläutern, sodass Sie das passende Modell für Ihre Kaffee-Ecke besser auswählen können.

Siebträger-Espressomaschinen - die Brühgruppe mit dem Siebträger als Erkennungszeichen

Espressomaschinen gibt es in vielen Ausführungen. Die Brühgruppe, in die der Filterhalter oder Siebträger eingespannt wird, ist das Erkennungszeichen für die Siebträger-Espressomaschinen. Es gibt auch Pad-Maschinen und Kapsel-Maschinen, die mit Hilfe eines Filterhalters die Espressozubereitung ermöglichen. Wir möchten uns jedoch der klassischen Siebträgermaschine widmen, für die gemahlenes Kaffeemehl für die Espressozubereitung  verwendet wird.

Allen Siebträger-Espressomaschinen ist gleich, dass in ein Brühsieb das Kaffeemehl befüllt wird, das in einen Filterhalter, auch Siebträger genannt, eingesetzt wird. 
Dieser Siebträger wird dann in die Brühgruppe eingesetzt. Da bei der Extraktion ein Brühdruck von ca. 9 bis 12 bar auf das Kaffeemehl im Siebträger einwirkt, wird meist ein sogenannter Bajonette-Verschluss verwendet, sodass der Siebträger sicher und fest auch bei angelegtem Brühdruck in der Brühgruppe verbleibt. Lässt er sich nicht ganz in die Brühgruppe einspannen (meist bei einer Überfüllung der Fall) merkt man das sofort: sobald der Brühdruck erreicht ist, rutscht der Siebträger wieder aus der Brühgruppe heraus und meist ist das mit einer notwendigen Reinigungseinheit um das Gerät herum verbunden, da das Kaffeemehl mit herausspritzt.

Der Bajonette-Verschluss hat dabei bei vielen Geräteherstellern zwei gegenüberliegenden Flügel am Siebträger. Manche Modelle anderer Hersteller, weichen davon ab. Modelle von z.B. Quick Mill haben drei Flügel am Siebträger. Bei diesen Modellen wird es beim Nachkauf von Siebträgern schwierig und man ist auf Original-Ersatzteile und Original-Zubehör des Herstellers angewiesen.

Auch die Flügeldicke und der Abstand zwischen Flügel und oberem Rand des Siebträgers kann je nach Hersteller variieren, sodass nicht jeder Siebträger auch für Modelle anderer Hersteller genutzt werden kann. Etwas mehr Auswahl bieten hier Siebträgermaschinen, die auf der klassischen Faema E61-Brühgruppe basieren. Hier sind die Bauteile meist identisch und ohne weitere Modifikationen, sodass die Kompatibiltät in den meisten Fällen gegeben ist. Modifikationen sind jedoch möglich und dessen sollten Sie sich bei der Auswahl des Espressomaschinenmodells bewusst sein und sich beim Nachkauf von Zubehör daran erinnern.

Auch die Siebform ist bei manchen Herstellern anders, als bei Brühsieben für die klassische Faema E61 Brühgruppe. Form, Durchmesser, Höhen können abweichen und sollten daher beim Nachkauf stets nachgemessen und mit den Angaben für das neue Sieb verglichen werden. Insbesondere die Form des oberen Randes des Siebes, mit dem der Siebträger oben abschliesst und in die Brühgruppe eingespannt wird, ist ausschlaggebend. Für Gewöhnlich ist dieser nach oben hin gewölbt und rund. Es gibt jedoch auch Hersteller, die oben flache Siebe verwenden. Ein Standardsieb mit Rundung wäre dann zu hoch, sodass sich der Siebträger nicht mehr einspannen liesse. Bei solchen flachen Sieben ist die Auswahl an Upgrades im Bereich der Präzisionssiebe schwierig, zumindest nach heutigem Stand, sodass dies bei der Geräteauswahl durchaus berücksichtigt werden sollte.

Handhebel, klassische Faema E61 oder Siebträger-Espressomaschine mit Bedienknöpfen

Neben der klassischen E61 Brühgruppe und deren Modifikationen gibt es auch noch die "Urgesteine" der Espressomaschinentechnik: die Handhebel-Espressomaschinen.
Hier wird der Brühdruck durch das Vorspannen einer Feder erzeugt, die dann für die Extraktion langsam gelöst wird. Dieser Vorgang wird über den Bedienhebel, der manuell als Handhebel betätigt wird, gesteuert.
Ein kraftaufwändiger Vorgang, technisch anmutend und daher nicht bei jedem angehenden Barista die erste Wahl. Andere wiederum lieben genau diese ursprüngliche Art der Bedienung - dennoch: die Handhebelgeräte sind deutlich in der Unterzahl, haben es als seltenere Spezies jedoch verdient, erhalten zu werden.
 
Die klassische Faema E61 Brühgruppe ist mit einem kleinen Bedienhebel ausgestattet, der seitlich neben der Brühgruppe angebracht ist. Der Espressobezug wird dabei gestartet, in dem der Bedienhebel ganz nach oben gedrückt wird und gestoppt, indem der Hebel wieder ganz unten einrastet. Für das Spülen der Brühgruppe kann der Hebel auch auf halber Stelle verwendet werden.
Die E61 Brühgruppe ist mit Ventilen, Federn, Düsen, Glocke, Gigleur und den zugehörigen Filtern und Dichtungen sehr komplex aufgebaut und v.a. beim Ersatzteiltausch sollte man ihre Funktionsweise verstehen, um an der richtigen Stelle das Problem ausfindig zu machen. 
Das Betätigen über den Bedienhebel ist für viele das Barista-Glück und auch die Optik der E61 Brühgruppe lässt manches Barista-Herz höher schlagen. Dennoch: in einer Kaffee-Ecke im Büro oder mit weniger technisch versierten Kaffeegetränk-Liebhabern im Haushalt kann die E61 Brühgruppe an der Espressomaschine ein Ausschluss-Kriterium werden. Eine Espressozubereitung per Knopfdruck scheint in solchen Fällen angebrachter und auch dafür gibt es eine Lösung.
 
ECM hat dafür zwei Modellreihen auf den Markt gebracht: die ECM Elektronika mit modifizierter E61 Brühgruppe. Bei diesem Modell ist eine Tassenprogrammierung möglich, die die Extraktionszeit für eine oder zwei Tassen per Knopfdruck steuert, aber auch ein manuelles Betätitgen von Start und Stopp der Extraktion ermöglicht. Der Bedienhebel entfällt bei diesem Modell, Optik und Haptik sind aber noch sehr nahe bei den klassischen E61-Modellen und damit für viele ein guter Kompromiss.
 
Ein kompakteres Modell ist die ECM Casa, die eine Ringbrühgruppe hat und zu den Einkreislauf-Modellen gehört. Die Bedienung erfolgt per Knopfdruck - ausgenommen die Betätigung des Dampfventils. Die schlanke Form und die schnelle Aufheizzeit bei wirklich gutem Espresso- und Milchschaum-Ergebnis machen die ECM Casa auch angesichts des Preises zu einer empfehlenswerte Variante für den Haushaltsbereich.
 

Thermosyphon bei Siebträger-Espressomaschinen

Bei der Brühgruppe gibt es im Bereich der Siebträger-Espressomaschinen eine Vielzahl von Varianten. Die klassische Faema E61 Brühgruppe wurde vom "Urmodell" Faema Eclipse 61 weitestgehend 1:1 übernommen. Daher sind Bauteile und Zubehör für die klasssische E61 Brühgruppe auch für Gewöhnlich miteinander kompatibel.
Die E61 Brühgruppe hat einen Thermosyphon. D.h. durch die Brühgruppe zirkuliert durch den Temperaturunterschied zwischen heißem Kessel und kühlerer Brühgruppe stetig warmes Wasser, welches die Brühgruppe vortemperiert. Für eine optimale Betriebstemperatur ist daher nicht nur das Erreichen der Kesseltemperatur wichtig, sondern auch Brühgruppe und Siebträger selbst sollten gut durchgewärmt sein, sodass der Espresso während der Extraktion nicht abkühlen kann. Eine vernünftige Aufheizphase ist daher meist etwas länger als die in der Bedienungsanleitung angegebene Zeit, die bei neuen Geräten Dank Kesselisolierung und anderer Optimierungen im Aufbau teilweise schon auf 15 bis 20 Minuten reduziert werden konnte.
Bei mehrgruppigen Geräten ist diese Aufheizphase durch größere Kessel, mehrere Brühgruppen und insgesamt mehr "Masse" des Gerätes um ein Vielfaches länger, sodass Gastrobetriebe ihre Siebträger-Espressomaschinen meist rund um die Uhr in Betrieb lassen, um ein zufriedenstellendes Espresso-Ergebnis zu erzielen.
 
Modifikationen für ein schnelleres Aufheizen oder für die Reduzierung von Wartungsbedarf führen zu Thermoblock-Brühgruppen oder zu Ringbrühgruppen. Diese sind deutlich einfacher aufgebaut und daher auch günstiger, was die Espressomaschinenmodelle auch preislich attraktiver werden lässt.
 
Doch auch die klassische E61-Brühgruppe mit Thermosyphon hat noch weitere Modifikationen zur Verbesserung erhalten. Insbesondere die Option der Preinfusion wird von vielen namhaften Herstellern weiter verbessert. Slayer und La Marzocco sind beispielhaft zwei der Premiummarken, die im Brühgruppenaufbau weitere aufwändige Optimierungsmöglichkeiten umsetzen und auch in ihren Haushaltsmodellen anbieten.

Ringbrühgruppen bei Siebträger-Espressomaschinen

Bei der Ringbrühgruppe sitzt die Brühgruppe als Ring unter dem Kessel und wird über diesen automatisch mit beheizt. Durch die meist kleineren Kessel ist die Aufheizphase erfreulich kurz und damit reduziert sich auch der Strombedarf bei diesen Geräten. Allerdings geht ein kleiner Kessel auch auf Kosten des zur Verfügung stehenden Dampfvolumens beim Milchaufschäumen. Eine vernünftige Dimensionierung des Kessels ist daher seitens der Hersteller wichtig, denn nichts ist ärgerlicher, als während des Milchschäumens warten zu müssen, bis der Kessel wieder aufgeheizt und ausreichend Dampf nachliefern kann. Noch verdrießlicher, wenn so eine Unterbrechung während des Espressobezuges passiert.
ECM hat bei der ECM Casa diese Anforderungen nach unserem Ermessen sehr gut gelöst und Espressobezug bzw. das Aufschäumen von Milch liefern bei diesem kompakten, kleinen Einkreisgerät wirklich sehr gute Ergebnisse, die mit den größeren Zweikreismodellen aus dem Haus ECM Manufacture gut mithalten können. 
Vorteil der Ringbrühgruppe ist auch der deutlich geringere Wartungsaufwand. Ausser der Dichtungen und dem Duschensieb fehlen hier weitere Verschleißteile wie Ventile, Dichtungen, Federn und auch die "Schwachstellen" für die Möglichkeit des Verstopfens kleinerer Bauteile wie z.B. des Gigleurs entfallen hier gänzlich. 

Thermoblockgruppe bei Siebträger-Espressomaschinen

Einen anderen Weg der Brühgruppengestaltung hat z.B. Quick Mill gewählt. Bei den kleinen kompakten Modellen wird die QuickMill Thermoblock-Brühgruppe verbaut. Dieser Block ist besonders schnell aufgeheizt und macht die Modelle auch im Preis sehr günstig. Im Grunde ist dieser Thermoblock eine Art Durchlauferhitzer im Aluminiumgehäuse. Die Verrohrung des Wasserkreislaufs wird hier um einen Heizstab herum geführt und damit elektrisch erwärmt. Ein Kessel/Boiler, wie bei den Einkreis- oder Zweikreismodellen die bisher genannt wurden ist daher nicht erforderlich. Das spart wiederum Platz und macht das Gerät günstiger.
 
Der Vorteil dieser Thermoblock- Siebträgermaschinenmodelle ist die enorm schnelle Betriebsbereitschaft. Brühgruppe und Siebträger können sehr schnell vorgewärmt werden, sodass die lange Aufheizphase quasi entfällt. Allerdings kann diese Konstruktion auf Kosten der Temperaturstabilität gehen.

Bei mehreren Espressobezügen nacheinander muss immer wieder eine Aufheizzeit beachtet werden. Bei zu wenig Brühdruck, z.B. durch zu grobes Kaffeemehl, läuft das Wasser für den Durchflusserhitzer zu schnell durch die Brühgruppe, sodass das Wasser nicht ausreichend erwärmt werden kann. Der Espresso wird dann nicht warm genug in der Tasse ankommen.
Bei einer größeren Tasse Kaffee kann es aufgrund des geringen Wasservolumens, das im Durchlauferhitzer erhitzt wird, passieren, dass während der Extraktion die Kontroll-Leuchte für das Nachheizen aufleuchtet und daher das Wasser nicht mehr in der gewünschten Brühtemperatur in die Tasse läuft.
Umgekehrt kann bei zu hohem Brühdruck, z.B. durch zu feines Kaffeemehl, die Extraktion zu langsam für den Durchlauferhitzer sein, sodass das nachfliessende Wasser zu heiß wird und der Kaffee einen brandeligen Geschmack bekommt.

Die Größe des Thermoblocks und die optimale Länge der Verrohrung, die optimale Steuerung von Heizleistung und Durchflussgeschwindigkeit haben einen signifikanten Einfluss auf die Temperaturstabilität und dies sollte bei der Auswahl des Thermoblock-Gerätes daher unbedingt beachtet werden.

Insbesondere beim Milchschäumen wird man den Unterschied zu den anderen, bisher genannten Brühgruppenarten merken. Bei der Thermoblockgruppe kann kein konstanter Dampfdruck aus einer Dampfphase im Kessel geliefert werden, sondern der Dampf wird pulsierend erzeugt, indem in kleinen Mengen im Rohr Wasser verdampft. Der Milchschaum ist dadurch nicht ganz so cremig und sämig wie bei der oben beschriebenen Ringbrühgruppe oder E61 Brühgruppe. Für einen leckeren Cappuccino passt das sicherlich, wer aber auf Latte Art spekuliert wird sich hier jedoch aufgrund der Milchschaumbeschaffenheit etwas schwer tun.

Durch den Aufbau des Thermoblocks sind diese Geräte allerdings auch deutlich weniger anfällig gegen Verkalken und die notwendigen Wartungsarbeiten sind erfreulich gering. Durch den Aufbau im Thermoblock wird das Wasser nur dann durch die Heizspirale befördert, solange die Pumpe das Wasser für die Extraktion fördert. Sobald die Pumpe aus ist, läuft das Wasser wieder aus der Heizspirale heraus, sodass sich kaum Verkalkungen in der Verrohrung bilden können. Ein regelmäßiges Entkalken ist zwar dennoch notwendig, aber verglichen mit Siebträger-Espressomaschinen mit klassischen Kesseln oder Boilern ist die Notwendigkeit der Entkalkung deutlich seltener.

Allerdings gibt es bei einigen Thermoblock-Modellen je nach Brühgruppenaufbau noch einen Punkt zu beachten: wenn der Brühdruck zu hoch ausfällt, dann gibt es bei diesen Modellen kein Expansionsventil, das das Wasser um die Brühgruppe herum pumpt, um die Pumpe zu schonen. Hier heißt es: Gerät ausschalten und Extraktion abbrechen um die Pumpe zu schonen - und v.a. warten, bis sich der Druck in der Brühgruppe abgebaut hat, bevor der Siebträger aus der Brühgruppe entnommen wird.

Eingruppige, zweigruppige und mehrgruppige Siebträger-Espressomaschinen

Wie die Namensgebung vermuten lässt, bezieht sich die Bezeichnung eingruppig oder mehrgruppig auf die Anzahl der Siebträger-Brühgruppen bei der Espressomaschine.

Im Haushaltsbereich sind eigentlich fast ausschließlich eingruppige Modelle zu finden. Diese sind meistens mit den günstigeren und platzsparenderen Vibrationspumpen ausgestattet. Deren Leistung reicht ansich auch völlig aus, um vernünftig Espresso zu extrahieren und ggf. parallel auch Milch aufzuschäumen. Die Temperaturkonstanz und die Menge an verfügbarem Dampf und an optimal temperiertem Brühwasser wird über das Kesselvolumen und die Heizleistung des Heizelements gesteuert. Schnelle Aufheizzeiten für rasche Betriebsbereitschaft und damit auch reduzierte Energiekosten auf der einen Seite müssen von den Herstellern durch die optimale Dimensionierung von Kessel und Heizung dem Bedarf an ausreichend Dampf und gut temperiertem Wasser für die Espressozubereitung die Waage halten. Ein zu kleiner Kessel ist zwar schnell aufgeheizt, kann jedoch ein Nachheizen noch im Espressobezug oder während des Milchschäumens notwendig machen. Ein überdimendionierter Kessel muss stetig auf Temperatur gehalten werden und frisst damit mehr Energie.
Die Vibrationspumpen fördern mit max. 15 bar Druck das Wasser für die Espresso-Extraktion durch den Wasserkreislauf. Nach ca. 6-8 Jahren, je nach Nutzungsdauer, geht deren Leistungsfähigkeit jedoch langsam bergab und daher sollte die Pumpe nach dieser Zeit ausgetauscht werden.

Aus den großen Espressobars z.B. in Italien werden Sie die mehrgruppigen Siebträger-Espressomaschinen kennen. Die Bars der Autobahnraststätten oder in den großen Shopping-Malls sind meist mit drei- oder gar fünfgruppigen Siebträgermaschinen ausgestattet. Hier können parallel an allen Brühgruppen Espresso und Cafe Creme zubereitet werden und die Milch für Cappuccino oder für den Macchiato geschäumt werden. Manuelle Steuerung der Extraktion ist in Stoßzeiten wohl kaum zu koordinieren, weshalb diese Siebträgermodelle mit Tastenbelegung die optimale  Extraktionszeit für die jeweiligen Kaffeegetränke steuern. 
Diese Beanspruchung an den Wasserkreislauf würden Vibrationspumpen nicht leisten können, daher sind bei zwei- und mehrgruppigen Siebträger-Espressomaschinen leistungsfähigere Rotationspumpen verbaut. Diese haben ein sehr konstantes Fördervolumen im Wasserkreislauf auch bei der Betätigung mehrerer Brühgruppen gleichzeitig. Klar ist auch, dass hier die Kessel und die verbauten Heizungen nochmals andere Anforderungen erfüllen müssen, als im Haushaltsbereich. Durch die größere Masse an (Kessel-)Material, Wasservolumen und Brühgruppen benötigen diese Espressomaschinenmodelle deutlich längere Aufwärmphasen, um die optimale Betriebstemperatur erreichen zu können. Daher sind sie in der Gastronomie eigentlich auch rund um die Uhr eingeschaltet.

Vibrationspumpen und Rotationspumpen bei Siebträger-Espressomaschinen

Der Vorteil der konstanten Förderleistung der Rotationspumpe wird durch einen leiseren Pumpenbetrieb begleitet, den viele Espressomaschinenbesitzer schätzen. Während die Vibrationspumpe bei älteren Modellen (ohne Maßnahmen für die Geräuschdämmung im Gehäuse) ein deutlich hörbares Geräusch bei der Espressozubereitung erzeugt, ist dieses Betriebsgeräusch bei einer Rotationspumpe nur sehr gering. Mit einer der Aspekte, weshalb die Rotationspumpen auch bei Haushaltsgeräten zunehmend gefragt sind. Allerdings muss die Leistung der Rotationspumpe gedrosselt werden, was auch einen anderen Aufbau im Wasserkreislauf notwendig macht.

Die Frage, ob eine Vibrationspumpe gegen eine Rotationspumpe getauscht werden könnte, ist daher schnell mit einem Nein zu beantworten. Zwar sind beide Pumpen ansich vergleichbar in der Größe. Zur Rotationspumpe gehört jedoch auch ein leistungsfähiger Motor. Und den bringt man ohne große Änderungen der Gerätekonstruktion und Bauteilanordnung nicht in einem Vibrationspumpenmodell unter. Auch die Idee, den Motor ausserhalb des Gerätes anzubringen löst nicht die dennoch anstehenden Umbaumassnahmen im Wasserkreislauf. Unterm Strich ist ein Umstieg auf ein Rotationspumpenmodell die empfehlenswertere Variante, denn diese haben meist noch andere Vorteile zu verbuchen, wie z.B. die Option, von Wassertank auf Festwasseranschluss zu wechseln oder bieten auch eine PID-Steuerung an.

Der Unterschied zwischen Siebträger-Espressomaschinen mit Vibrationspumpe oder mit Rotationspumpe ist jedoch nicht nur im Betriebsgeräusch und in der Konstanz der Wasserförderung zu suchen.
Rotationspumpen sind durch den Motor deutlich größer und schwerer als Vibrationspumpen. Und auch deutlich teurer. Während eine Vibrationspumpe max. 40 Liter je Stunde an Wasser fördern kann, bringt es eine Rotationspumpe je nach Auführung auf bis zu 300 Liter je Stunde. In Haushaltsmodellen werden meistens Pumpen mit 50 L/h verbaut, mehrgruppige Espressomaschinenmodelle haben eine entsprechend der Brühgruppenanzahl höhere Förderleistung mit bis zu 300 L/h.
Rotationspumpen sind sehr robust und leise im Gebrauch, allerdings sollte die Wartung von einem Service-Fachbetrieb erfolgen und die Pumpe sollte regelmäßig in Gebrauch sein.
Vibrationspumpen sind im Betrieb zwar lauter, durch Maßnahmen zur Geräuschdämmung ist das Betriebsgeräusch mittlerweile jedoch sehr viel erträglicher, als dies bei den ersten Haushaltsgeräten im Siebträgerespressomaschinen-Bereich der Fall war. Und für viele gehört dieses vertraute Brummen auch zur Espresso-Extraktion mit dazu. Das ist daher eine individuelle Entscheidung.
Vibrationspumpen vertragen verglichen mit der Rotationspumpe auch längere Standzeiten und sind einfacher in der Wartung. Einfache Massnahmen wie z.B. der Einbau eines Vorfilter können ihre Lebensdauer deutlich verlängern und so können sie einige Jahre in Betrieb sein, ohne Probleme zu machen. Da nur eine Brühgruppe im Haushaltsbereich üblich ist, ist auch die Förderleistung konstant genug, sodass es sich gut zu überlegen gilt, ob man die deutlich höheren Anschaffungskosten für ein Rotationspumpenmodell wirklich in Kauf nehmen möchte.

Rotationspumpen werden im Haushaltsbereich in ihrer Leistung deutlich gedrosselt. Allerdings ist es bei diesen Modellen dringend erforderlich, einen guten, kompakten Kaffeepuck in der Brühgruppe zu haben, da sonst die Rotationspumpe die stärkere ist und der Espresso eher als Brühkaffee herausläuft. Der Kaffeepuck muss also dem starken Druck der Rotationspumpe stand halten können, um eine perfekte Extraktion zu erzielen. Vibrationspumpen sind da deutlich pflegeleichter. Sie gehen bis max. 15 bar Pumpendruck, aber bei einem nicht ganz so kompakten,gut gepressten Kaffeepuck verzeihen sie diesen Fehler mit noch einigermassen brauchbarem - natürlich nicht perfekten - Ergebnis. Ein Aspekt, den frisch gebackene Rotationspumpenmodell-Besitzer leider bei den ersten Espressobezügen deutlich zu spüren bekommen und dann von ihrer Maschine enttäuscht sind. Das liegt aber, wie erwähnt, nicht am Gerät sondern an der mangelnden Kaffeepuckqualität, die sich durch entsprechendes Equipment und das entsprechende Handling leicht beheben lässt. Übung macht hier den Meister.

Einkreiser, Zweikreiser und Dualboiler Siebträger-Espressomaschinenmodelle

Die Frage des Aufbaus des Wasserkreislaufs bei Siebträger-Espressomaschinenmodellen ist der eigentliche Knackpunkt, der die richtige Auswahl des Gerätes ausmacht. Im Vorfeld sollten Sie sich als angehender Barista die Frage stellen, welche Anforderungen Sie an das Gerät haben und welche dieser Vorstellungen Wunsch bleiben und was, auch aus Zeitgründen, tatsächlich umgesetzt werden kann. Und wie Ihre Kaffeegetränk-Gewohnheiten im Alltag aussehen - und evtl. die Ihrer Gäste, die Sie regelmäßig zu Hause zu einem Kaffee einladen.
In Social Media und im Internet sind viele Bilder und Videos zu sehen, die dazu verlocken, diesem Können nachzueifern. Sei es der perfekte Espresso, der den strengen Vorgaben der Barista Championships in Aussehen, Konstanz der Zubereitung und Erfüllung der Brew Ratio standhalten könnte und mit einem umfangreichen Equipment einhergehen, die dafür notwendig werden.
Oder der Wunsch, nicht nur einen Cappuccino mit Milchschaumhaube zu trinken, sondern den Cappuccino mit filigraner Latte Art verziert, zur Gewohnheit werden zu lassen - was in den Videos ja fast spielerisch zu gelingen scheint.
Und nicht zu vergessen, die Espressozubereitung mit einem bodenlosen Siebträger, bei dem die Crema sich langsam unten am Sieb sammelt und dann wunderschön in die Tasse oder das Shotglas läuft.
Wenn dann noch möglich, die Option der PID-Steuerung zu nutzen, um aus den Kaffees noch mehr Aromen herauszukitzeln.
Die Realtät sieht bei einem Neueinsteiger im Barista-Bereich dann leider ein wenig anders aus. Wenn nicht so gar gänzlich anders. Die ersten Espressobezüge fallen gar nicht so perfekt aus wie gedacht, trotz teurer Espressomaschine und bestem Equipment.
Daher nochmals die Frage: werden Sie die Zeit haben, für die Kaffeepuckvorbereitung die notwendigen Handgriffe akribisch durchzuführen, Latte Art zu üben und möchten Sie wirklich Brew Ratio und andere Parameter, wie z.B. die Brühtemperatur mittels PID erfüllen und variieren können? Oder sind das eher Wünsche, denen Sie vermutlich maximal am Wochenende nachgehen könnten? Und trinken Sie vielleicht gar nicht so oft Cappuccino oder andere Kaffeegetränke mit Milchschaum? Sind Sie wirklich der Perfektionist, der mit verschiedenen Kaffeemischungen experimentieren möchte, seine Sensorik schulen will und aus der exklusiven Single-Origin-Kaffeemischung das Optimum herausholen möchte? Oder sind Sie evtl. doch eher der klassische Italian-Bar-Style-Barista, der ohne viel Equipment mit einer guten Barmischung seinen Espresso, Cappuccino oder Lungo trinkt und im Zweifel die Kaffeegetränke auch nur pur, also ohne Milchschaum bevorzugt?
 
All diese Fragen sollten Sie sich ehrlich beantworten und dann gezielt das richtige Espressomaschinenmodell für sich wählen. Denn schnell neigt man dazu, das beste Gerät mit vielen Möglichkeiten und dazu noch teures Equimpent für eine stattliche Summe anzuschaffen um danach festzustellen, dass man einen Großteil der Möglichkeiten gar nicht nutzt oder zu wenig Zeit findet, um die notwendige Übung für das perfekte Ergebnis zu bekommen.

Einkreismodelle bei Siebträger-Espressomaschinen

Wer nur gelegentlich Milch aufschäumen möchte, wird mit einem Einkreismodell eine gute Entscheidung fällen. Es ist ja nicht so, dass mit solchen Modellen kein guter Milchschaum hergestellt werden könnte, sondern der Unterschied zum Zweikreiser ist, dass die Espresso-Extraktion und das Schäumen der Milch nicht gleichzeitig (wie beim Zweikreismodell), sondern beim Einkreismodell nacheinander erfolgen muss.

Dazu ein kurzer Blick ins Innere der Siebträgermaschine. Der Kessel dient hier für die Heißwasserbereitung für den Espressobezug als auch für die Entnahme von Dampf. Dazu wird das Wasser im abgeschlossenen Kessel erhitzt, sodass es die richtige Temperatur für die Espressozubereitung annimmt. Über dem Wasser bildet sich eine Dampfschicht aus, die je nach Druck, Temperatur und Wasserstand im Kessel unterschiedlich groß ausfällt. 

Möchte man nun aus dieser Dampfphase Dampf für das Milchschäumen entnehmen, muss das Wasser im Kessel deutlich höher werden, als es für die Espressoextraktion gut wäre. Beides gleichzeitig geht daher nicht, denn entweder wäre nicht genug Dampf in der Dampfphase, um zwar die richtige Brühtemperatur für den Espresso zu haben, aber die Milch nicht schäumen zu können. Oder, es wäre genug Dampf für das Schäumen der Milch im Kessel vorhanden, aber der Espresso würde durch die zu hohe Brühtemperatur "verbrennen".

Folglich wird nach der Espressoextraktion mit ca. 92°C erst noch etwas Wasser aus dem Kessel abgelassen, um ihn dann das Wasser im Kessel höher zu erhitzen. Durch den geringeren Wasserstand im Kessel und die höhere Temperatur des Wassers steht so genügend Dampf für das Schäumen der Milch zur Verfügung. 
Nach dem Aufschäumen wird der Kessel wieder mit frischem, und da aus dem Wassertank kommend, kaltem Wasser aufgefüllt und somit wieder auf die perfekte Temperatur für den nächsten Espressobezug gebracht.

Wer also nur gelegentlich Milch schäumen will, diesen Milchschaum aber in Latte-Art-Qualität wünscht, und ein perfektes Espresso-Ergebnis schätzt, wird mit einem Einkreis-Espressomaschinenmodell wie der ECM Casa bestimmt zufrieden sein. Wer zusätzlich noch mit der E61 Brühgruppe liebäugelt, die allerdings teurer und auch wartungsintensiver ist, dem sei die ECM Classika empfohlen. Beide Brühgruppen (Ringbrühgruppe der ECM Casa und E61 Brühgruppe der ECM Classika) sind kompatibel zu hochwertigen Präzisionssieben und es gibt für diese Modelle auch Präzisionsduschen. 

Wer gar keine Milch schäumen möchte und daher nur eine einfache Espressomaschine für hervorragenden Espresso sucht, für den ist die ECM Puristika eine sehr gute Wahl. Sie hat die E61 Brühgruppe und ist daher für weitere Upgrades geeignet.

Die ECM Puristika und die ECM Classika sind ausserdem auch mit PID Steuerung erhältlich.

Zweikreismodelle bei Siebträger-Espressomaschinen

Wer Wert darauf legt, parallel zur Espressoextraktion auch Milch schäumen zu können und auch regelmäßig Milchschaum für Cappuccino oder Latte Macchiato benötigt, sollte über ein Zweikreismodell nachdenken. Der Milchschaum ist bei diesen Modellen bei vernünftigen Kesseldimensionen perfekt für Latte Art und die Espressoqualität kann ebenfalls perfekt erzielt werden.

Der Unterschied zum Einkreiser ist, dass die Espresso-Extraktion und das Schäumen der Milch gleichzeitig erfolgen können und nicht nacheinander, wie beim Einkreismodell.

Auch hier ein kurzer Blick ins Innere der Siebträgermaschine. Der Kessel dient hier für die Heißwasserbereitung für den Espressobezug als auch für die Entnahme von Dampf. Beides erfolgt jedoch in getrennten Kreisläufen. Dazu wird auch hier Wasser in einem abgeschlossenen Kessel erhitzt. Über dem Wasser bildet sich eine Dampfschicht aus, aus der Dampf für das Schäumen der Milch entnommen werden kann. Das Wasser im Kessel ist folglich heißer, als es für die Espressozubereitung gut wäre. Der Espresso würde einen brandeligen Geschmack erhalten und sozusagen "verbrennen". Aus diesem Grund wird ein zweiter Kreislauf für das Brühwasser für die Espressozubereitung gebildet. Über den sogenannten Wärmetauscher führt der Wasserkreislauf der in die Brühgruppe zirkuliert und dort für die Espresso-Extraktion die perfekte Temperatur hat. 

Möchte man nun aus dieser Dampfphase Dampf für das Milchschäumen entnehmen, muss das Wasser im Kessel in der Temperatur nicht verändert werden und für die Espressoextraktion stimmt die Temperatur ebenfalls. Beides geht daher gleichzeitig. 

Wer also regelmäßig Milch für Cappuccino schäumen will, diesen Milchschaum in Latte-Art-Qualität wünscht, und nicht nur im Cappuccino ein perfektes Espresso-Ergebnis schätzt, wird mit einem Zweikreis-Espressomaschinenmodell die richtige Wahl treffen. ECM bietet seine Zweikreismodelle alle mit E61 Brühgruppe an, sodass diese kompatibel für Upgrades sind, wie z.B. für hochwertige Präzisionssiebe und auch für Präzisionsduschen. Damit kommen die ECM Technika und ECM Mechanika in Frage oder - sofern mit Tassenprogrammierung eine automatisierte Espressozubereitung bereit gehalten werden soll, die ECM Elektronika. Diese allerdings mit einer modifizierten E61-Brühgruppe ohne Beidenhebel (wegen der Steuerung per Knopfdruck)

Die ECM Technika ist auch mit PID Steuerung erhältlich.

Dualboilermodelle bei Siebträger-Espressomaschinen

Auch mit Dualboilermodellen kann parallel zur Espressoextraktion die Milch aufgeschäumt werden. Allerdings erfolgt das erzeugen des Dampfes für das Schäumen von Milch und die Temperierung des Wassers für die Espressozubereitung in zwei getrennten Kesseln, daher auch der Name Dual Boiler. 

Hintergrund ist, dass bei Zweikreismodellen beide Temperaturen miteinander zusammenhängen. Möchte man die Brühtemperatur für den Espresso erhöhen, würde dadurch auch das Dampfvolumen verändert. Soll die Brühtemperatur für den Espresso erniedrigt werden, würde auch das Dampfvolumen verändert und stünde evtl. nicht mit ausreichender Menge zur Verfügung, das die Temperatur des Wassers im Kessel zu niedrig wäre.
Wenn man das Kesselvolumen aus energetischen Gründen oder aufgrund von angestrebten kürzeren Aufheizzeiten reduzieren würde, passt das zwar für die Espressozubereitung noch immer. Aber die zur Verfügung stehende Dampfphase würde für ein vernünftiges Aufschäumen von Milch nur für eine kleinere Menge Milch reichen. 
Wählt man hingegen einen größeren Kessel, um ausreichend Dampf für das Aufschäumen von Milch zu erhalten, steigt der Energieverbrauch und auch die Aufheizzeit, auch wenn die Dampferzeugung nur selten gebraucht wird. Für die Espressozubereitung wäre das größere Kesselvolumen jedoch nicht erforderlich.

Nicht unerheblich ist auch der Aspekt, dass man als Barista die Temperatur separat steuern und v.a. möglichst konstant halten möchte. Bei den meisten Zweikreismodellen ist ohne PID-Steuerung jedoch keine Einstelloption von aussen vorhanden - nicht zu verwechseln mit der von aussen zugänglichen Brühdruckregulierung bei ECM Espressomaschinen, die jedoch keinen Einfluss auf den Kessel selbst hat.

Daher bietet es sich an, beides in separaten Einheiten zu tun und einen Dampfkessel und einen Brühwasserkessel zu verwenden. So kann die Kesselgröße für beide Belange - vernünftige Espressozubereitung und ausreichend Dampfvolumen für das Milchschäumen - optimal gewählt werden, die Aufheizzeit kann reduziert werden und auch der Energieverbrauch wird gesenkt. Und falls kein Milchschaum gebraucht wird, kann der Kessel für die Dampfentnahme auch einfach ausgeschaltet bleiben.
Auch die Steuerung mittels PID ist bei dieser Aufteilung in zwei Kessel gezielter möglich.

Im größeren Kessel wird bei den Dualboiler-Espressomaschinen das Wasser für die Dampferzeugung etwas höher temperiert als im zweiten Kessel. Dieser ist für die Espressozubereitung etwas niedriger eingestellt, sodass die Brühtemperatur von ca. 90-95 °C eingestellt werden kann.

Welche Brühtemperatur in der Brühgruppe ankommt hängt dabei vom Kesseldruck und von der Temperatur des Wassers im Kessel ab. Da diese Einstellung häufig individuell verändert werden möchte, sind Dualboiler in den meisten Fällen mit einer PID-Steuerung versehen. Über diese wird dann der Kesseldruck und die Wassertemperatur bequem gesteuert. Prinzipiell kann auch der Brühdruck variiert werden. Da Dualboilermodelle wie die ECM Synchronika jedoch mit einer Rotationspumpe ausgestattet sind, ist die Brühdruckregulierung nur bedingt möglich und sollte nur über geschultes Servicepersonal in einem Fachbetrieb erfolgen.

Somit bieten Dualboiler-Siebträgerespressomaschinen eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten und sind optimal für eigentlich alle Belange der Espressozubereitung bei gleichzeitigem perfekten Milchschäum-Erlebnis. Espressozubereitung und Milchschaum können gleichzeitig und auch in größeren Mengen erfolgen, ohne dass das Gerät in einen Nachheizphase kommt. Rotationspumpen bieten ein leises Betriebsgeräusch und es können die Temperaturen der beiden Kessel unabhängig voneinander individuell eingestellt werden und bieten eine präzise, konstante Brühtemperatur.

Durch Rotationspumpe, PID-Steuerung und zwei getrennte Kesselkreisläufe sind Dualboiler-Espressomaschinen nicht in kompakten Größen erhältlich und durch die verbaute Technik sind sie auch im Anschaffungspreis stattlich. Aber sie bieten bestmöglichen Luxus nach heutigem Stand der Haushalts-Espressomaschinentechnik und lassen keine Wünsche und Optionen offen. Basierend auf der klassischen E61 Brühgruppe ist die ECM Synchronika auch kompatibel für Upgrades, wie z.B. für hochwertige Präzisionssiebe und auch für Präzisionsduschen.

Wenn Sie regelmäßig viel Milch für Cappuccino schäumen wollen und auch häufig mehrere Kaffeegetränke hintereinander servieren möchten, wenn der Milchschaum in Latte-Art-Qualität gewünscht wird und ein perfektes Espresso-Ergebnis mit individueller Brühtemperatur und bestmöglicher Temperatursteuerung das Ziel ist, ist ein Dual-Boiler-Modell eine Überlegung wert. Aufgrund des Anschaffungspreises gilt es jedoch genau zu überlegen, ob diese Anforderungen auch tatsächlich genutzt werden. 
Für den gelegentlichen Cappuccino und ohne regelmäßige Nutzung der PID-Steuerung ist die Anschaffung doch recht luxuriös und sollte überdacht werden.
Im Büro, im Catering-Bereich oder bei vielen Kaffeetrinkern zu Hause, die gerne und viel Cappuccino trinken oder bei regelmäßig größeren Kaffeerunden mit Freunden oder mit der Familie wird sich die Anschaffung bestimmt rechnen. Insbesondere beim häufigen Experimentieren mit verschiedenen Kaffeemischungen und auch mit Single-Origin-Kaffees und deren besonderen Aromen wird man mit einem Dualboiler-Modell die Möglichkeiten zu schätzen wissen, um das Bestmögliche aus den Bohnen herauszuholen.

Ventilausführungen bei ECM Espressomaschinen

Bildquelle: ECM Manufacture GmbH

Drehventile oder Kippventile

Während die Steuerung des Espressobezugs bei Siebträger-Espressomaschinen über eine Tastatur auf Knopfdruck (z.B bei der ECM Casa oder bei der ECM Elektronika) erfolgt oder z.B. über einen Bedienhebel der E61-Brühgruppe ist die Entnahme von Dampf oder Heißwasser über Drehventile oder über Kippventile möglich.
 
Welche Ventilart beim Espressomaschinenmodell verbaut wird hängt v.a. von der Gesamtoptik ab. Drehventile sind klassisch und sind zumindest bei ECM Manufacture eher der Haushaltslinie zuzuordnen, während die Kippventile bei der Profi-Linie verbaut werden. Die Profilinie von ECM bietet höherwertige Ausstattungsmerkmale wie Rotationspumpen, PID-Steuerung u.a.
Kippventile fanden ursprünglich im Gastrobereich Verwendung, was ihren favorisierten Einsatz in der Profi-Linie erklärt. Eine Umrüstung ist jedoch möglich und so ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, welche Ventilart verwendet werden soll. Zu beachten ist jedoch im Gesamtbild, dass Kippventile weiter nach vorne ragen, während Drehventile kürzer und kompakter sind. 

Die Qualität beider Ventilarten ist vergleichbar. Beide haben ihre Verschleißteile, die mit der Zeit getauscht werden sollten und zu Undichtigkeiten führen, aber Kippventile halten nicht unbedingt länger als Drehventile und umgekehrt. 

Wobei das zukräftige Zudrehen bei Drehventilen die Dichtungen im Ventil leiden lässt, was hier häufiger zu Undichtigkeiten führen kann, allerdings auch bei entsprechender Beachtung leicht zu vermeiden ist.

Drehventile können über das Auf- und Zudrehen gut gesteuert werden, feine Bewegungen und damit leichte Veränderungen in der Einstellung bei der Dampfentnahme fallen einigen Nutzern so leichter. Die Drehbewegung wird von vielen aber auch als eher störender Handgriff empfunden, während das Antippen der Kippventilegriffe manchem als leichter fällt und quasi nebenbei geht.

Die Quicksteam-Ventile, also Kippventile, reagieren sehr leicht und in alle Richtungen auf Antippen und können auch eingerastet werden. Bei großen Mengen Milch oder bei größeren Mengen an Heißwasser (z.B. auch beim Ablassen des Kesselwassers) wird das als sehr praktisch empfunden.
Letztlich ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks und Handlings, welches der Ventile einem besser liegt.

PID, Flow Control, Brühdruckeinstellung

Ob Einstellmöglichkeiten von Brühdruck, Brühtemperatur und Kesseldruck bei der Siebträger-Espressomaschinen benötigt werden und auch tatsächlich regelmäßig verwendet werden, ist für jeden eine individuelle Entscheidung. PID-Steuerungen gehen häufig auch mit weiteren Ausstattungsmerkmalen einher, die den Gerätepreis deutlich höher ausfallen lassen. 
 
Während ECM die Brühdruckeinstellung mittlerweile bei fast allen Modellen von aussen zugänglich ermöglicht - sofern technisch machbar - ist die PID-Steuerung nicht bei allen Modellen erhältlich. Flow Control ist über ein zusätzliches Ventil bei den E61 Brühgruppen nachrüstbar. Was diese Ausstattungsmerkmale jeweils bedeuten möchten wir nachstehend kurz erläutern.
Brühdruckregulierung bei ECM Espressomaschine

Bildquelle: B.Scheffold (Danuba)

Brühdruckeinstellung bei Siebträger-Espressomaschinen

Mit der Brühdruck-Einstellung wird der bei der Espressoextraktion herrschende Maximaldruck eingestellt. Diese Brühdruckeinstellung heißt jedoch nicht bei eingestellten 9 bar, dass der Brühdruck auch immer verlässlich 9 bar betragen wird. Ist das Kaffeemehl zu grob gemahlen oder zu wenig komprimiert worden, kann der Brühdruck auch niedriger ausfallen - mit entsprechend suboptimalem Ergebnis in der Tasse. 
Die Brühdruckregulierung greift jedoch bei zu hohem Druck im Siebträger, wenn z.B. zu fein gemahlen oder zu stark getampt wurde. Dann schaltet das Expansionsventil um und das Wasser wird von der Pumpe nicht über die Brühgruppe sondern über den sogenannten Bypass geleitet. Das schont die Pumpe, eine Extraktion findet dann aber nicht statt. 
Flow Control Ventil bei ECM Espressomaschine

Bildquelle: ECM Manufacture GmbH

Flow Control bei Siebträger-Espressomaschinen

Der Begriff Preinfusion ist Ihnen bestimmt schon einmal begegnet. Er bedeutet das Befeuchten des Kaffeepucks vor Beginn der eigentlichen Extraktion und soll durch das Aufquellen das Kaffeemehls besser auf die nachfolgende Extraktion mit hohem Brühdruck vorbereiten. Channeling, Rißbildung und dergleichen sollen dadurch vermieden werden. Manche Espressomaschinenhersteller haben ihre Brühgruppen entsprechend modifiziert, sodass Preinfusion mit zum Espressobezug dazugehört. Bei der klassischen Faema E61 Brühgruppe ist dies jedoch nur indirekt möglich. Abhilfe schafft ein Upgrade für E61 Brühgruppen: das Flow Control Ventil. Über dieses wird der Espressobezug gestartet und der Brühdruck in der Brühgruppe gesteuert. Es ersetzt sozusagen den Bedienhebel, der ja nur eine Ein-/Aus-Steuerung ermöglicht. Über das mit enthaltene Manometer kann dann der Brühdruck abgelesen und kontrolliert werden. Der Vorteil ist, dass sich der Brühdruck über die Durchflussregulierung genauer steuern lässt und der Druckaufbau z.B. verlangsamt werden kann. Die Nachrüstung ist relativ einfach in der E61 Brühgruppe möglich, sollte aber wohl eher dem erfahrenen Barista vorbehalten werden. 
PID Steuerung bei ECM Espressomaschine

Bildquelle: ECM Manufacture GmbH

PID-Steuerung bei Siebträger-Espressomaschinen

Die PID-Steuerung ist in vielen Geräten schon eingebaut und der Barista kann mit seiner neuen Siebträgerespressomaschine die Brühtemperatur gezielter steuern. Während bei anderen Modellen die Heizung über die Steuerung nur ein- und ausgeschaltet werden kann bis die Temperatur erreicht ist, wird bei der PID-Steuerung schneller nachjustiert und in kürzeren Intervallen beheizt. Dadurch können Temperaturverluste z.B. durch das Nachbefüllen des Kessels mit Frischwasser schneller ausgeglichen werden. Die Temperaturkonstanz wird ausserdem besser, weil das Absinken der Kesseltemperatur nicht erst ab einer bestimmten Temperatur durch Heizen ausgeglichen wird, sondern die Temperatur stetig kontrolliert und damit öfter korrigiert wird. 
 
Wie bereits bei den Dualboiler-Modellen schon näher beschrieben wird die werksseitige Voreinstellung der Brühtemperatur über den Druck im Kessel und die Temperatur des Kesselwassers gesteuert. Über die Größe des Kessels ergibt sich dadurch eine voreingestellte Brühtemperatur bzw. auch das verfügbare Dampfvolumen im Kessel. Die Brühtemperatur und auch die Menge an verfügbarem Dampf lässt sich daher von aussen nicht beeinflussen.
Bei einer PID-Steuerung hat man jedoch die Möglichkeit über die Veränderung von Kesseldruck und Kesseltemperatur die Temperatur des Brühwassers in der Brühgruppe zu verändern.

Bei Dualboilermodellen - also bei getrenntem Kessel für das Brühwasser und einem weiteren Kessel für die Dampfentnahme - kann mit der PID-Steuerung auch die Menge des Dampfvolumens gezielt gesteuert werden, ohne dabei die Brühtemperatur zu verändern.

Scheint die allgemein übliche Temperatur von 92 °C für die Espressozubereitung einer bestimmten Kaffeemischung zu hoch, kann die Brühtemperatur über die PID-Einstellung etwas reduziert werden - oder falls gewünscht auch auf z.B. 95 °C erhöht werden. Durch diese Einstellung wird bei einem Dualboiler kein Einfluss auf die Dampfentnahme genommen. 

Mit dieser Feineinstellung mittels PID wird aber auch die Temperaturkonstanz im Kessel besser. Der Regler kontrolliert die eingestellten Werte mit den Ist-Werten und bessert nach, sobald es Abweichungen gibt, z.B. weil kaltes Frischwasser in den Kessel nachbefüllt wird. Diese Steuerung ist sehr viel feiner möglich, als bei einer gewöhnlichen Heizung kombiniert mit einem Temperaturregler.

Bei Einkreislaufmodellen kann über eine PID-Steuerung das Nachbefüllen im Kessel mit kaltem Frischwasser aus dem Wassertank besser ausgeglichen werden, sodass schneller und präziser die eingestellte Brühtemperatur wieder erreicht wird. Da die Dampfentnahme nicht gleichzeitig zum Espressobezug erfolgen kann hat die Brühtemperatureinstellung zunächst keinen direkten Einfluss auf das verfügbare Dampfvolumen.

Zweikreismodelle haben den Kreislauf für die Brühwasserentnahme vom Kessel abgetrennt. Über den Wärmetauscher, der durch den temperierten Kessel führt, wird das Brühwasser je nach Durchlaufzeit auf Temperatur gebracht. Über die PID-Steuerung kann daher kein direkter Einfluss auf die Brühtemperatur genommen werden. Die Sinnhaftigkeit einer PID-Steuerung bei Zweikreismodellen wird daher immer wieder diskutiert. Auch wenn die Brühtemperatur maßgebilch von der Durchlaufzeit beeinflusst wird, also der Zeit, die zur Wärmeaufnahme im Wärmetauscher für das Wasser zur Verfügung steht: mit einer PID-Steuerung bleibt die Kesseltemperatur auf einem konstanteren Niveau und die PID- Steuerung regelt Temperaturschwankungen schneller nach und damit lässt sich auch die Brühtemperatur konstanter halten, da der Kessel beim Nachbefüllen von kaltem Frischwasser nicht so stark abkühlt. Dadurch wird die Reproduzierbarkeit in der Brühtemperatur weiter verbessert und sorgt für weitestgehend gleichbleibende Parameter bei der Espressozubereitung, die ein Profi-Barista anzustreben versucht.

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